Mole [#24]
«... this is his labyrinth - I am nothing but a powerless stranger here» (Haruki Murakami: The Wind-up Bird Chronicle)
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   « #24 »
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Erinnern Sie sich noch an Bericht 14? Den mit dem Bestiarium? Haben Sie sich schon in schlaflosen Nächten gefragt, was nicht gestimmt hat? Welches merkwürdige Wesen, das dort beschrieben war, mag sich damals in Ihre Gehirne eingegraben haben - buchstäblich!


Der Maulwurf war es - in einem Bestiarium der Nachthasenwelt! Logisch ist das natürlich nicht: Nachthase lebt am Grunde des Blumenkastens (im Grunde möglicherweise auch nur eine Metapher für das Leben unter Schönem). Wie gelangt der Maulwurf dahin?



Der Maulwurf, eines dieser komischen Tiere, wie Maden, aber mit Fell und Schaufelhänden, grub eines Tages sein Labyrinth. Wir Biologen wissen wie: gierig (Oder wir lesen es hier nach.)! Unendliche Labyrinthe gebildet aus verwinkelten Gängen, glattgescheuert vom seinem extra dahin evolutionierten Fell (moleskin), perfektionierte Fallen - alle Maden und Insekten, die sich zufällig durch die Gangdecken graben, finden keinen Ansatz für einen Weg zurück. Darauf hat er nur gewartet: das Getier wird gepackt und zu den Würmer- und Insektenbergen in den Vorratskammern gestapelt. Stellen Sie sich nur auch einmal vor, wie unglaublich eng es insgesamt da ist: gerade so, dass der kleine Maulwurfskörper hindurchgeht!



[Anmerkung: Falls Sie sich überhaupt noch wundern mögen, wie das nun wohl bitte alles in den Lauf der gesamten Geschichte passt: Nachthase ist 1. keine gesamte Geschichte, sondern eine Dokumentation. Ist 2. ein Phänomen, das zusammenhängend wohl erst von Historikern, Soziologen, Biologen natürlich auch und v. a. Mathematikern und Raketenwissenschaftlern späterer Jahrhunderte erklärt werden kann. Und 3. ist der Maulwurf ein Solitär und steht damit in direktem Zusammenhang zu den Erwägungen über den Luxus aus Bericht #22 bzw. als solche Wesensform ganz insgesamt zu der stolzen Autarkie des Nachthasen.]



Der eine kleine Geselle also hat sich nun immer tiefer gegraben, und tiefer, und tiefer, seine Sinnesorgane außer Kraft gesetzt von den besonderen Schwingungen der Nachthasenwelt am Grunde. Irgendwann dämmerte es natürlich auch seinem kleinen Hirn, dass das schon mehr als 40 cm Labyrinth in Richtung vermuteter Erdkern sein mussten - nur jetzt... war es... zu spät... Sehenden Auges [Die Biologen: "Das ist zynisch angesichts mohnkorngroßer Augen, die zudem von Fell überwachsen sind!"] setzte er sich der Gefahr aus, so zu enden, wie sonst nur seine Opfer. Die Sehnsucht nach dem, was das Unten versprach, die aufregenden süßen Einflüsterungen, der sich verstärkende sanfte Duft kämpften gegen das Gefühl, alles bisher Gekannte verlassen zu müssen. Und waren stärker! Genau dann nämlich, als der Wurf aus dem Loch in die Nachthasenwelt plumpste. [Vielleicht Alice-in-Wonderland-like. Wahrscheinlich aber eher wie ein Flughörnchen, das seine Felllappen als Gleitschirme nutzt.] Er hat sich jedenfalls gefangen und lebt nun da jetzt glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage. Also: Inzwischen sollten sich die beiden begegnet sein da unten.